Vechta, 15.09.2009

 

 

Bundestagswahl:

 

Homestory in der heutigen Oldenburgischen Volkszeitung (OV) mit dem grünen Bundestagskandidaten

Josef Dobelmann

 

Privat schwimmt er nicht gegen die Strömung

 

Löningen-Bunnen - Entspannt sitzt Josef Dobelmann am rustikalen Küchentisch. Ein Bein übergeschlagen, ein Arm liegt auf der Tischplatte. Wenn der hiesige Bundestagskandidat der Grünen spricht, malt er kleine, unsichtbare Muster auf die Tischplatte.
In der Küche passt zwar kein Holzstuhl zum anderen, trotzdem wirkt das Ensemble wie eine Einheit. An der Wand hängen die Stundenpläne der Kinder, darüber Fotos. Auf dem Tisch liegt die Tageszeitung. Dass sie gelesen wurde, sieht man - nicht nur, weil die Lesebrille griffparat daneben liegt.


Aufgeräumt ist das Haus der Dobelmanns in Bunnen bei Löningen, aber in keinster Weise steril. Dafür sorgt schon die dreijährige Terrier-Dame Edda, die schnüffelnd durch die Wohnung fegt.


Für die Ordnung im Haus sorgt Josef Dobelmann selbst - nur zum Rasen mähen und Unkraut jähten hat er momentan keine Zeit. Im Wahlkampf ist er viel unterwegs. Doch als einst die Kinder zur Welt kamen, blieb er zu Hause. "Meine Frau wollte gerne weiter arbeiten gehen", erklärt Dobelmann schlicht. Er gab seine Selbstständigkeit auf, kümmerte sich um Erziehung und Haushalt. Lernte sogar kochen. Als seine Mutter zum Pflegefall wurde, zeigte sich, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.
Als die Kinder größer wurden, reichten ihm die Aufgaben des Hausmannes aber nicht mehr. "Viele verstehen das nicht, aber mir fiel die
Decke auf den Kopf. Ich brauchte eine neue Inspiration." Acht Jahre nach dem Ausstieg fand der gelernte Schlosser eine Halbtagsstelle bei einer Metallfirma - sogar in Bunnen. "Es gibt tatsächlich noch Firmen, die sozial eingestellt sind", freut sich Dobelmann.

 

Um darüber hinaus beschäftigt zu sein, engagierte sich Dobelmann politisch. Durch seine Naturverbundenheit, die Dobelmann beim Gärtnern geradezu auslebt, kam er zu den Grünen - auch wegen deren Friedens- und Anti-AKW-Bewegung. Es wurde mehr als ein Hobby. Außerdem war und ist Dobelmann im Dorf sehr engagiert.
Was Dobelmann im Garten anbaut, kommt auf den Tisch. Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Erbsen, Porree oder Stangenselllerie, Kernobst und Beeren - Dobelmann verarbeitet alles selbst und kocht auch. Nicht immer kann er es dabei allen recht machen - aber seine Hühnersuppe liebt die gesamte Familie. Vor allem mit Zwieback-Klößchen. "Die mögen alle."


Im Sommer liebt er es, in der Hase zu schwimmen - falsch, sich treiben zu lassen. Das Gewässer fließt in Steinwurfweite am Haus vorbei und Dobelmann kennt es seit seiner Kindheit. "Von der Strömung mitgenommen zu werden und dabei in den Himmel zu schauen", schwärmt er mit glänzenden Augen, "ist toll. Gegen den Fluss anzuschwimmen, das mach ich aber schon lange nicht mehr", gibt er lachend zu. "Ich laufe dann am Ufer zurück."


Politisch ist er da ganz anders: "Ich hab nie Rücksicht darauf genommen, dass die Mehrheit anderer Meinung war. Wenn ich von etwas überzeugt bin, tue ich es auch." Die Heimat zu bewahren, damit auch das Heimatgefühl bleibt, ist ihm wichtig. Er, der zwischenzeitlich in Berlin lebte, weiß aber auch, wie wichtig es ist, "ausgetretene Pfade zu verlassen und eigene Erfahrungen zu sammeln".

 

 

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Naturverbundener Gartenliebhaber: Josef Dobelmann posiert am Gartenteich hinter seinem Haus. Foto: Oldenburgische Volkszeitung

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