Cloppenburg, 29.08.2009

 

 

Interview der Oldenburgischen Volkszeitung (OV) mit Sven Giegold, Mitglied EU-Parlament, Bündnis 90 / Die Grünen

 

Aus der OV vom 31.08.09:

 

Krise ist doppelte Chance für Region

 

Sven Giegold: Erneuerbare Energien im Oldenburger Münsterland nutzen

 

Mit einem grünen „New Deal“ raus aus der Wirtschaftskrise: Das hält Sven Giegold, seit Juni Mitglied des Europäischen Parlaments von Bündnis 90 / Die Grünen für möglich. Die Krise berge eine doppelte Chance in sich: die ökologische Erneuerung der Wirtschaft und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Umweltbereich. Dabei falle dem ländlichen Raum eine zentrale Rolle zu. Heinrich Kaiser sprach on Cloppenburg mit dem ehemaligen Sprecher der Anti-Globalisierungs-Organisation Attac.

 

OV: Herr Giegold, Sie sagen voraus, dass durch den Aufstieg der Südländer die Nachfrage nach Energie und dadurch der Preis dafür so sehr steigen wird, dass die armen Länder die Energie nicht mehr bezahlen können. Das sei eine Chance für den ländlichen Raum hier bei uns, der erneuerbare Energie produzieren und exportieren könne. Ist das nicht wieder eine Aufteilung in Gewinner und Verlierer der Globalisierung?

 

Giegold: Ein Teil der ärmeren Länder in der welt fängt an, die Ressourcen sich leisten zu können und aufzukaufen, die wir bisher als Reiche allein konsumieret haben. Fläche wird knapp durch die Globalisierung, sowohl für die Nahrungsmittelproduktion, als auch für klassische Rohstoffe. Das bedeutet: Wir werden umsteigen müssen auf erneuerbare Rohstoffe. Das ist positiv bei uns für den ländlichen Raum.

 

OV: Sie haben ein Stichwort genannt: Flächen sind knapp, das gilt ganz besonders für das Oldenburger Münsterland. Sie sprechen sich für den Ausbau der erneuerbaren Energie aus. Führt das nicht zu einer Verteuerung der Lebensmittel, weil die Flächen immer teurer werden?

 

Giegold: Erst Mal glaube ich, dass die Energieproduktion langfristig nicht auf die Fläche gehört. Energieproduktion kann bei uns im wesentlichen durch Wind- und Solarenergie geleistet werden. Dafür brauchen wir nicht die Agrarflächen. Natürlich weiß ich, dass viele Bauern jetzt zusätzliche Einkommen generieren, etwa durch den Anbau von Mais. Dass mehr Einkommensmöglichkeiten entstehen, ist positiv. Langfristig wird die Fläche eher nachwachsende Rohstoffe und Nahrungsmittel produzieren. Aber die Abfälle der Nahrungsmittelproduktion kann natürlich weiterhin als Biomasse für die Energieproduktion eine Rolle spielen.

 

OV: Sie sind der Meinung, dass die Menschen ihren Lebensstil überdenken und zum Beispiel weniger Fleisch, dafür mehr pflanzliche Lebensmittel essen sollten. Ist das nicht ein Vorschlag, der in die Kategorie „grüne Spinnerei“ gehört, vor allem in Südoldenburg?

 

Giegold: (lacht): „Grüne Spinnerei“ bedeutet ja, dass vieles, wofür wir früher belächelt wurden, heute weit übertroffen wird und zeigt, dass die „Spinner“ damals Recht hatten. Es geht ja nicht darum, dass die Menschen kein Fleisch mehr essen oder das Oldenburger Land kein Fleisch mehr produzieren sollen. Es geht aber darum, welches Fleisch wir essen. Muss es Fleisch sein aus der Massentierhaltung, wo Tiere gequält werden und wo auch die Qualität darunter leidet, oder geht es um eine hochwertige Fleischproduktion, wo man etwas weniger konsumiert, dafür aber eine bessere Qualität hat?

 

 

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